Prenzlauer Berg: Gleimtunnel, Winterkino…

Der Gleimtunnel

Der Gleimtunnel steht unter Denkmalschutz. Er ist neben den Yorckbrücken das letzte größere Eisenbahnbrückenbauwerk Berlins aus der Zeit um 1900, das bis heute in seiner Ursprungsausführung vollständig erhalten geblieben ist. Der Gleimtunnel ist ein Kreuzungsbau für Straßenverkehr und Eisenbahn bestehend aus einem stählernen Brückentragwerk, das von 80 gusseisernen Hartungschen Säulen getragen wird.

Normalerweise parken hier immer PKWs von Leuten, die keine Anwohner-Parkvignette haben, die Knollen des Ordnungsamts fürchten und die im Prenzlauer Berg anfallenden Parkgebühren sparen. Am 14. Mai 2013 jedoch war der Gleimtunnel für den Verkehr gesperrt, denn der ehemals zugemauerte Verbindungstunnel zwischen Ost und West bot die Kulisse für das 20jährige Jubiläum des gemeinsamen Weges von BÜNDNIS 90 und der Grünen Partei.

Der symbolische Ort ist aber auch die Grenzlinie zwischen “letzter Ausfahrt Wedding” und “Latte-Macciato-Kiez”, eine kopfsteingepflasterte Unterführung, eine 130 Meter lange und 23 Meter breite Verneinung aller positiven und negativen Ansätze, Nihilismus pur.

In seiner düsteren Erscheinung macht der Gleimtunnel nur ein ehrliches Angebot – freies Parken.


Fußballbär

Der Fußballbär an der Brandmauer der Schönhauser Allee 135 wird bald verschwunden sein, natürlich auch der “Aufstand der Würde”. Der vom freischaffenden Künstler Andreas Zahlaus 1986 gemalte Fußballbär fügt sich nicht ein in die heutige Fassade vom Prenzlauer Berg, denn unaufgeregte Wandbilder als Wegweiser zum Cantianstadion widersprechen den innovativen Ideen von kreativen Werbern für “hochwertige Cityflats”.

“Am Puls der Stadt, für wirtschaftlich Erfolgreiche, Künstler, Vertreter der Boheme sowie allenthalben Unangepassten rund um das Herz von Prenzlauer Berg entfaltet sich ein neuartiger, magischer Kosmos, an dem teilzuhaben reizt, dessen Offerten sich niemand entziehen kann…” mit diesen geschmeidigen Worten wird die “Magie der Gegensätze” angepriesen.

Welche Gegensätze wohl gemeint sind, wenn die letzten “Unangepassten” die Miete im Stadtbezirk nicht mehr zahlen können oder Mietwohnungen in Eigentum umgewandelt werden?


Brauerei Groterjahn

Im Jahre 1894 wurde das pasteurisierte und damit in Flaschen exportierbare “Groterjan’s Malzbier” patentiert und von 1897 bis 1914 gebraut. Die Brauerei, Büro- und Restaurationsgebäude mit Wirtschaftsräumen an der Cantianstraße wurde 1896-97 errichtet. Der Architekt war Ernst Jacob.

Neben diesem Anwesen erwarb Christian Groterjan zusätzlich ein großes, bisher durch eine Eisengießerei genutztes, aber weitgehend unbebautes Grundstück von 65×80 Meter an der Schönhauser Allee und der damals noch unbenannten Strasse 24, der heutigen Milastrasse, auch, um sich mit dieser Adresse ein “Denkmal” zu schaffen. Der Brauereibesitzer beauftragte zwei namhafte Baukünstler mit der Umsetzung seiner Pläne für eine Festanlage. Die Architektur dieser Häusergruppe mit Wohn- und Verwaltungsgebäuden, einem Saalbau, Restaurations- und Verwaltungsräumen, einem Biergarten mit Musikpavillon und Wohnungen wurde von Georg Rathenau und Friedrich August Hartmann entworfen und 1907 in einer außergewöhnlichen kurzen Bauzeit von 8 Monaten, trotz Tischler- und Malerstreik errichtet. Die Gesamtbaukosten beliefen sich auf beachtliche 1,1 Mill. Mark.

In erster Linie sollte der fühlbare Mangel an kleineren und größeren Vereins- und Festsälen mit den erforderlichen Nebenräumen beseitigt werden. Zugleich waren Biergärten und Konzertsäle im Innern der Weltstadt Berlin für Brauereien eine rentable Kapitalanlage. Das waren beliebte Wallfahrtsstätten, die sonntags mit Bierkonzert und nachfolgendem Tanz Berliner mit Kind und Kegel anlockten. Für die Brauereibesitzer waren diese Lokale eine wirksame Reklame.

Jedoch, der Malzbier-Umsatz brach ein, nach nur einem Jahr Nutzung ist die Brauerei Groterjan 1908 zahlungsunfähig, es kommt zur Zwangsversteigerung. Nach dem Tode von Christoph Groterjan 1912 fusioniert die Malzbierbrauerei mit der Berliner Weißbierbrauerei Gebhardt. 1914 erfolgt der Umzug in den Wedding.

Die architektonische Formensprache der Gebäude entsprach dem verspielten Stil der deutschen Spätrenaissance, einer Periode mit den charakteristischen Patrizierhäusern des vornehmen Bürgertums. Dementsprechend wurden auch sämtliche Fassaden stilistisch behandelt. Prächtige Treppenhäuser, repräsentative Wohnungen, Erker, Türmchen und Vorsprünge, die Feinheit der Gliederungen und Profile, sowie der Reichtum der Formen im ornamentalen, der Phantasie im figürlichen Schmuckwerk lassen dies deutlich erkennen. Die Fronten waren in reinem Kalkmörtel mit grobem Kieszusatz geputzt, die Einfassungen der Ecken und Giebel, die Quaderungen des Sockelmauerwerks sowie die Teilungen und Einfassungen der großen gekuppelten Fenster, desgleichen alle freistehenden Säulen, Baluster und Gesimse aus schlesischem Sandstein hergestellt. Das Innere der Restaurationsräume sind teilweise mit reicher Bemalung in Biedermeierart ausgestattet, mit Paneelen aus Holzrahmenwerk und Stoffbespannung, Holzdecken und Rabitzgewölben gestaltet, alle Dächer mit naturroten holländischen Pfannen gedeckt.