Köpfe der zwanziger Jahre

Werke aus der Hamburger Sezession. Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKGH) zeigt rund 25 Portraits aus Sammlung der Hamburger Sparkasse (Haspa), in der die wichtigsten Künstler der Hamburgischen Sezession vertreten sind. Als die Hamburger Künstler sich nach dem Ersten Weltkrieg zur Sezession zusammenschlossen, war der Weg zum Expressionismus, den die Brücke-Künstler gut zehn Jahre zuvor eingeschlagen hatten, vorgezeichnet. Für ihre Bildnisse und Menschendarstellungen wählten sie extreme Farben und übersteigerte Formen, um ein inneres Empfinden auszudrücken. Diese Suche nach einem tieferen Eindruck gilt sowohl dem Modell, dessen Seelenleben sich im Idealfall in den Pinselstrichen spiegelt, als auch dem eigenen Empfinden des Malers, der sich an seinem Thema 'abarbeitet'. Die expressiven Porträts der Hamburgischen Sezessionisten vermögen das Gefühl einer Zeit zu vermitteln, die von der Not nach dem Ersten Weltkrieg und zugleich von einer Sehnsucht nach einem neuen Paradies geprägt war. In der Kunst des Expressionismus verschoben sich die Parameter von Schön und Hässlich. Generationen von Künstlern vor den Expressionisten hatten sich an das klassische Ideal der Proportionen gehalten – nun trat an die Stelle eines allgemeinen Schönheitskanons, der auch auf das gemalte Bildnis großen Einfluss hatte, der Wille nach individuellem Ausdruck. Für das Gesicht bedeutete dies: Nasen konnten deformiert werden, das Kinn lang und spitz oder Augen übergroß abgebildet werden. Was vor drei oder vier Generationen, als die Künstler der Brücke diese neuen Wege betraten, die Zeitgenossen schockierte, hat mittlerweile die heutigen Sehgewohnheiten so weit beeinflusst, dass wir für eine expressionistische Sichtweise allgemein empfänglich geworden sind und sie als schön wahrnehmen.